Das West-Eastern Divan Orchestra


1999 richtete Daniel Barenboim auf Einladung des Kunstfestes Weimar zusammen mit dem verstorbenen Palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said einen Workshop für junge Musiker aus Israel, Palästina und verschiedenen Staaten des Nahen Ostens ein, um einen interkulturellen Dialog zu ermöglichen und die Erfahrung einer Zusammenarbeit auf gemeinsamer Grundlage zu unterstützen. Daniel Barenboim und Edward Said benannten das Orchester und den Workshop nach Johann Wolfgang von Goethes Gedichtsammlung “West-Östlicher Divan”, einem zentralen Werk für die Entwicklung eines Konzeptes der Weltkultur.
Die ersten Auftritte des West-Eastern Divan Orchestra erfolgten in Weimar und Chicago. 2002 ließ sich das Orchester dauerhaft in Sevilla, Spanien nieder, wo es seitens der Regionalregierung von Andalusien (Junta de Andalucia) großzügige Unterstützung erfährt. Zusätzliche Hilfe ergibt sich durch die Gründungen der Fundación Barenboim-Said, der Barenboim-Said Foundation USA (beide 2004) und der Daniel Barenboim Stiftung im Jahre 2008. Alle drei Stiftungen bemühen sich gemeinsam darum, Gelder zu beschaffen und die Workshops und Tourneen des Orchesters zu organisieren, sie entwickeln aber auch Projekte für musikalische Bildung in Israel, Palästina und Spanien.
Das West-Eastern Divan Orchestra hat immer wieder unter Beweis gestellt, dass Musik Barrieren einreißen kann, die vorher als unüberwindlich angesehen wurden. Der einzige politische Aspekt, dem die Arbeit des West-Eastern Divan unterliegt, ist die Überzeugung, dass es für den Nahost-Konflikt niemals eine militärische Lösung geben wird und dass die Schicksale der Israelis und Palästinenser untrennbar miteinander verbunden sind. Durch seine Arbeit und durch sein Vorhandensein zeigt das West-Eastern Divan Orchestra, dass Brücken gebaut werden können, durch die Menschen ermutigt werden, einander zuzuhören. Musik allein kann den arabisch-israelischen Konflikt natürlich nicht beilegen. Musik räumt dem Individuum das Recht und die Verpflichtung ein, sich vollständig auszudrücken, während es seinem Nachbarn zuhört. Auf Grundlage dieser Auffassung von Gleichheit, Zusammenarbeit und Gerechtigkeit für alle verkörpert das Orchester eine Alternative zur aktuellen Situation im Nahen Osten.
Eine gleichgroße Anzahl israelischer und arabischer Musikern bildet, zusammen mit einer Gruppe spanischer Musiker, die Basis des West-Eastern Divan Orchestra. Sie kommen in jedem Sommer zu einem Workshop in Sevilla zusammen, wo Proben durch Lesungen und Diskussionen ergänzt werden, an die sich dann eine internationale Konzert-Tournee anschließt. Seit seiner Gründung 1999 ist das West-Eastern Divan Orchestra in den meisten europäischen Ländern, in Nord- und Südamerika und in Nahost aufgetreten. Im August 2003 spielte das Orchester mit einem Konzert in Rabat, Marokko zum ersten Mal in einem arabischen Land bzw. 2005 mit einem Konzert in Ramallah, Palästina, das von ARTE live übertragen wurde, zum ersten Mal im Nahen Osten.
Zu den Konzert-Höhepunkten gehören Auftritte in dem Hagia Eirene Museum in Istanbul, der Salle Pleyel in Paris, der Philharmonie in Berlin, dem Teatro alla Scala in Mailand, der Carnegie Hall in New York, dem Tschaikowski Konservatorium in Moskau, der Plaza Mayor in Madrid und dem Teatro Colón in Buenos Aires ebenso wie ein Konzert zu Ehren des Generalsekretärs Kofi Annan in der großen Halle der Vereinten Nationen in New York am 18. Dezember 2006. Das West-Eastern Divan Orchestra nimmt auch regelmäßig an solch Prestige-trächtigen Festivals wie dem Luzern Festival, den BBC Proms und dem Salzburger Festival teil, wo es noch in diesem Sommer einen Dauerauftritt durchführen wird.
Das West-Eastern Divan Orchestra hat eine Anzahl hochgelobter CDs und DVDs bei Warner Classics und EuroArts herausgegeben. Zu diesen gehören unter anderem eine Live-CD und DVD des Abschlusskonzertes der Tournee 2004 in der Victoria Hall in Genf und auch des sinnbildlichen Konzertes das 2005 im Kulturpalast in Ramallah gegeben wurde. Die Dokumentation „Erkenntnis ist der Anfang“ hat mehrere internationale Filmpreise gewonnen, darunter einen „International Emmy“ (2006).



